Aktuelles

Schwangere rauchen für zwei

8. Juni 2022 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Die gute Nachricht lautet: Die Zahl der Raucherinnen und Raucher in der Bevölkerung ist seit einigen Jahren rückläufig. Besonders deutlich sinkt der Anteil der Rauchenden unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Auch der Anteil der Schwangeren, die rauchen, hat sich seit Mitte der 1990-er Jahre fast halbiert und ist von 19,9 Prozent auf 10,9 Prozent gesunken, stellt die in München beheimatete Stiftung Kindergesundheit erfreut fest. Sie weist jedoch auf eine bedenkliche Tatsache hin, die man denselben zwei Zahlen entnehmen kann: Etwa jede zehnte Schwangere raucht weiter und setzt damit ihr ungeborenes Kind beträchtlichen Gefahren aus. Es wächst nämlich mit jeder einzelnen Zigarette das Risiko für das Baby, in seiner Entwicklung beeinträchtigt und gesundheitlich geschädigt zu werden. 

„Wenn eine werdende Mutter weiter raucht, raucht sie für zwei!“, betont Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Durch das Rauchen wird die Durchblutung der Gebärmutter und damit auch die Versorgung des Ungeborenen mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff beeinträchtigt. Bereits eine einzige Zigarette steigert die Herzfrequenz des Babys um zehn bis 15 Schläge pro Minute.“  Die im Zigarettenrauch enthaltenen Schadstoffe gelangen über die Plazenta in den Blutkreislauf des Babys und hemmen so wichtige Prozesse von Wachstum und Reifung. Kinder, die bereits im Mutterleib zum Mitrauchen gezwungen werden, leiden mitunter noch jahrzehntelang an den Folgen des Rauchvergnügens ihrer Mutter, konstatiert die Stiftung Kindergesundheit: Neben dem Alkohol bedeutet das Rauchen die größte Gefahr für die Gesundheit eines ungeborenen Babys. 

Erhöhtes Risiko für Frühgeburt und Säuglingstod

Folgende Nachteile des Rauchens in der Schwangerschaft sind eindeutig gesichert:

• Rauchende Mütter erleiden häufiger eine Fehlgeburt als Nichtraucherinnen. Sie haben ein erhöhtes Risiko für vorzeitige Blutungen, für eine Eileiterschwangerschaft, für einen ungünstigen Sitz der Plazenta in der Gebärmutter („Plazenta praevia“) und auch für Frühgeburten.

• Nikotin verengt die Gefäße und verringert auch die Durchblutung der Plazenta. Das hoch giftige Kohlenmonoxyd verdrängt den Sauerstoff aus den roten Blutkörperchen – das Kind leidet unter einem chronischen Sauerstoffmangel. 

• Als Folge der schlechten Durchblutung der Plazenta erhält das Ungeborene auch weniger Nährstoffe. Es wächst deshalb langsamer, wird besonders häufig sowohl kleiner als auch leichter geboren und hat bei der Geburt einen geringeren Kopfumfang als Kinder von Nichtraucherinnen. Jungen sind vom Wachstumsrückstand häufiger und in stärkerem Maße betroffen als Mädchen.

• Babys, die im Mutterleib zum Mitrauchen gezwungen waren, weisen außerdem eine erhöhte Sterblichkeit während und nach der Geburt, aber auch während des ganzen ersten Lebensjahres auf.

• Das Rauchen während der Schwangerschaft begünstigt das Auftreten angeborener Fehlbildungen beim Kind.

• Rauchen ist mit deutlich erhöhtem Risiko für den plötzlichen Kindstod (SIDS) verbunden. 

Langfristige Folgen für die spätere Gesundheit

Neben diesen unmittelbaren Auswirkungen des Rauchens auf die Entwicklung des Kindes gibt es eine Reihe von Gesundheitsstörungen, die erst später, möglicherweise sogar erst nach Jahrzehnten zutage treten, betont die Stiftung Kindergesundheit. So kann das Rauchen der Mutter einer späteren Krebserkrankung des Kindes den Weg ebnen. Unter den Tausenden von Schadstoffen des Zigarettenrauchs sind rund 50, die als Krebserreger gelten: Kadmium und andere Schwermetalle, radioaktive Substanzen, Pestizide, Nitrosamine, Benzpyren oder Formaldehyd und andere mehr. 

Auch Allergien entwickeln sich bei Kindern von Raucherinnen häufiger. Hautekzeme wie Neurodermitis und Atemwegsallergien wie Asthma treten bei Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, zwei- bis fünfmal häufiger auf als bei Kindern nichtrauchender Frauen. 

Hat die Mutter während der Schwangerschaft geraucht, liegt das Risiko für ihr Kind, spätere Verhaltensauffälligkeiten, Lernstörungen oder eine Hyperaktivität zu entwickeln, bei etwa 22 Prozent, während Kinder von Nichtraucherinnen nur zu acht Prozent von einem solchen Schicksal betroffen sind. Kinder von Müttern aus sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten sind von den Folgen des Rauchens während der Schwangerschaft stärker betroffen als Kinder von Müttern mit einem höheren Sozialstatus.

Zum Verzicht auf die Zigarette ist es nie zu spät!

Ein Rauchstopp vor der Schwangerschaft wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Schwangeren und die Entwicklung des ungeborenen Kindes aus, betont die Stiftung Kindergesundheit. Je früher die werdende Mutter auf die Zigaretten verzichtet, umso größer sind die Chancen für das Baby, keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erleiden. 

Zum Rauchstopp ist es auch während der Schwangerschaft noch nicht zu spät, unterstreicht Professor Dr. Berthold Koletzko: „Jede nicht gerauchte Zigarette ist ein Gewinn für das Baby. Der Verzicht auf die Zigarette lohnt sich immer, selbst noch kurz vor der Geburt. Für die häufig gehörte Behauptung, der plötzliche Rauchstopp in der Schwangerschaft würde das Ungeborene belasten, fehlt jede wissenschaftliche Bestätigung. Auch die unangenehmen Entzugserscheinungen, die in den ersten Tagen nach dem Verzicht auf Zigaretten bei der Mutter auftreten können, sind nicht zu vergleichen mit der Befürchtung, dem Baby durch das Rauchen möglicherweise dauerhaften Schaden zugefügt zu haben.“

Mehr Rücksicht in Gegenwart einer Schwangeren!

Auch Passivrauchen führt zu Gesundheitsrisiken für das Ungeborene, hebt die Stiftung Kindergesundheit hervor. Die Schadstoffe des Tabakrauchs gelangen in den kindlichen Kreislauf, gleichgültig, ob sie aus einer von der Mutter gerauchten Zigarette stammen oder aus der verräucherten Luft ihrer Umgebung zu Hause oder im Beruf. So sind die nachteiligen Auswirkungen des väterlichen Rauchens auf das Ungeborene durch internationale Studien belegt. 

Die Stiftung Kindergesundheit fordert deshalb: Genauso, wie es selbstverständlich ist, einer Schwangeren in der Straßenbahn seinen Platz anzubieten, genauso selbstverständlich sollte es werden, in Gegenwart einer schwangeren Frau und in Räumen und Kraftfahrzeugen, die auch Schwangere nutzen, keinesfalls zu rauchen. Das gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Nur so können die Risiken für den schutzbedürftigsten aller Passivraucher, für das ungeborene Baby, verringert werden. 

Quelle: Pressemeldung Stiftung Kindergesundheit

Weitere News-Beiträge

2022
7. November 2022
14. bis 18. November 2022: Aktionswoche haut+Job → mehr
27. Oktober 2022
Patientinnen und Patienten werden künftig länger warten müssen → mehr
18. Oktober 2022
Welt-Psoriasis-Tag 2022 → mehr
6. Oktober 2022
Wir sehen schwarz! → mehr
07. September 2022
Neurodermitis unter Top 5 diagnostizierten Erkrankungen von OnlineDoctor → mehr
12. August 2022
Fakten und Falschmeldungen zum Thema Affenpocken → mehr
7. Juli 2022
Kinder & Sonne: Elternbrief zur Sommer- und Ferienzeit 2022 → mehr
07. Juni 2022
Sonnenschutzkampagne will Hautkrebsrisiko im Sport senken → mehr
7. Mai 2022
S2k-Leitlinie chronischer Pruritus (Juckreiz) → mehr
7. Mai 2022
Hautkrebsmonat Mai → mehr
18. April 2022
Neuer bundesweit einheitlicher Vertrag zur Hautkrebsvorsorge für unter 35-Jährige → mehr
6. März 2022
Wie Stress und falsche Ernährung den Haaren schaden → mehr
4. Februar 2022
JAK-Inhibitoren erweitern bei Alopecia areata und Neurodermitis das Behandlungsspektrum → mehr
5. Januar 2022
PraxismanagerIn für unsere Praxen und die Coronaambulanz gesucht → mehr
4. Januar 2022
Sonnenbad in der Röhre: Hilft Solarium gegen Winterblues? → mehr
Archiv
2021 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2021 anzeigen
2020 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2020 anzeigen
2019 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2019 anzeigen
2018 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2018 anzeigen
2017 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2017 anzeigen
2016 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2016 anzeigen
2015 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2015 anzeigen
2014 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2014 anzeigen
2013 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2013 anzeigen
2012 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2012 anzeigen
2011 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2011 anzeigen
2010 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2010 anzeigen
2009 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2009 anzeigen
2008 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2008 anzeigen
2007 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2007 anzeigen
2006 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2006 anzeigen
2005 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2005 anzeigen
2004 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2004 anzeigen